Fingernägelkauen

Da nagt was an Dir

Wenn Sie auf dieser Seite nach einer Lösung für Fingernägelkauen sind, dann muss ich Sie leider enttäuschen, denn ich habe auch kein Patentrezept. Wenn Sie jedoch offen für neue Impulse und Ansätze sind, dann könnte Sie dieser Artikel wohlmöglich interessieren. Denn bei diesem Artikel soll es um die Zusammenhänge von Unbewussten Prozessen beim Fingernägelkauen gehen. Denn diese spielen gerade beim Kauen von Nägeln eine große und entscheidende Rolle.

Nimm die Finger aus dem Mund?!

Nicht selten erlebe ich, dass Eltern unter Androhung von Sanktionen ihren Kindern das Kauen der Fingernägel untersagen wollen. Was sie in ihrer Verzweiflung nicht wissen, ist, dass sie u.U. dieses scheinbare „Problem“ durch Druck verstärken. Doch woher stammt der unbändige Drang, die Finger in den Mund zu stecken und daran zu kauen? Wagen wir eine kleine Exkursion zu Sigmund Freud und der Entwicklungspsychologie.

Im ersten Lebensjahr (0-1) ist die orale Fixierung sehr stark ausgeprägt. Das bedeutet, Kinder stecken sich alles in den Mund und stimulieren so ihren Lustgewinn. Dazu gehören auch die Finger. Aber nicht jedes Baby wird zum notorischen Fingernägelkauer, nur weil es sich seine Finger in den Mund steckt.

Lernen lernen

Natürlich gibt es eine Vielzahl von Ansätzen, daher beziehe ich mich in diesem Artikel lediglich auf den, der auf Grundlage der Gehirnforschung, besser gesagt auf den der Spiegelneuronen beruht. Jeder Mensch besitzt eine Vielzahl von Gehirnzellen, dazu gehören auch die Spiegelneuronen, die besonders beim Baby und Kleinkind eine tragende Rolle beim lernen Lernen spielen. Kurz gesagt; Kinder ahmen nach was sie sehen, wollen das tun was andere tun, wollen anfassen und spüren. In diesem Impuls  sind sie ungebremst. Das bedeutet lernen vom Gegenüber.

Das bedeutet, erst wir Erwachsene, Eltern, Lehrer, Therapeuten, Angehörige und Freunde prägen durch unsere eigenen unbewussten Verhaltensweisen, Denk und Handlungsstrategien unsere Kinder. Und was tun unsere Kinder? Von uns lernen. Das nennt man lernen am Modell. Und lernen geschieht auf Grundlage neurobiologischer Vorgänge im Gehirn und  verläuft unbewusst.

Sekundärgewinn beim Nägelkauen

Das Nägelkauen geschieht unbewusst und ist oftmals mit bestimmten Situationen und Gefühlen wie Stress, Angst oder Nervosität verbunden. Es gibt also einen Automatismus, wie z.B. bei ADHS: der Drang, sich bewegen zu müssen, passiert oft in einem bestimmten Kontext. Ein Kind, dass Fingernägel kaut, wird mit Sicherheit nicht wissen, warum es dies tut, aber es gibt für ihn einen logischen Zusammenhang und einen Gewinn in seinem Verhalten. Es handelt sich also um einen unbewußten Gewinn innerhalb der Reaktion auf ein problematisches Verhalten. Dies kann Sicherheit, Lustempfinden oder auch Kontrolle sein.

Um diesen Sekundärgewinn sicherzustellen, muss das Kind eine neue Alternative entwickeln. Sonst haben wir Symptomverschiebung und statt dem Nägelkauen können sich ernsthafte Verhaltensauffälligkeiten wie z.B. an den Wimpern zu ziehen, entwickeln. Wir erweitern also seine Handlungsfähigkeit. Und das schafft Autonomie, Sicherheit und Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten.

Was kann ich gegen Nägelkauen tun?

Bei Kindern tendiere ich dazu, das Verhalten erst einmal nicht zu behandeln. Beobachten Sie Ihr Kind, in welchen Situationen es an seinen Nägeln kaut. Als erstes ist es wichtig, mit ihrem Kind über das Nägelkauen zu reden und zu überlegen, was genau die Ursache für das Nägelkauen sein kann, und ob es Dinge gibt, die ihr Kind beunruhigen und Stress verursachen. Stressauslösende Faktoren können ein bevorstehender Umzug sein, eine Scheidung innerhalb der Familie oder der Leistungsdruck in der Schule. Nehmen Sie sich Zeit, mit ihrem Kind über diese Dinge zu reden. In den meisten von mir bekannten Fällen verschwindet diese Symptomatik nach Ende der Pubertät ganz von selbst.

Für den Fall, das Sie dennoch Unterstützung benötigen oder Ihr Kind seine Fingerspitzen wund oder blutig beißt, nehmen Sie gerne mit mir Kontakt auf. Gemeinsam finden wir eine Möglichkeit, ihrem Kind zu helfen.

Schreibe einen Kommentar